Alles ist da, oder fast. Der Skills-Wettbewerb des Global Developer Pioneers Summit (GDPS) 2025 in Shanghai präsentiert sich als weltweit erster Kompetenzwettbewerb im Bereich verkörperter Intelligenz, der sich auf die Kriterien der WorldSkills Competition stützt, so die Global Times. Die Kulisse ist die einer ernsthaften Bewertung: sechs große Wettbewerbsfelder, siebzehn spezifische Prüfungen, wie Yicai Global berichtet. Die Jury wiederum soll erstmals Experten für verkörperte KI, KI-Fachleute und Handwerksveteranen aus der WorldSkills Competition zusammengebracht haben, um die Konstanz und Zuverlässigkeit der Roboter nach Art von Handwerksmeistern zu bewerten, berichtet der City News Service.

Auf dem Papier ist der Anspruch klar: messen, vergleichen, eine Entscheidung herbeiführen. Nur fehlen bei der Lektüre der Berichte zwei Kennzeichen eines echten Wettbewerbs.

Keine einzige Leistungszahl

Erste Leerstelle, die auffälligste: kein einziges Ergebnis. Weder Punktzahl noch Rangliste noch Sieger noch Erfolgs- oder Misserfolgsquote geht aus den Berichten hervor. Man weiß, welche Prüfungen stattgefunden haben, man weiß nicht, wer sie bestanden hat. Die Prüfung im Bereich Haushaltsdienstleistungen verlangte von den Robotern etwa, in einer häuslichen Umgebung Wäsche zu falten und Geschirr einzuräumen, und die Prüfung zur Notfallrettung schrieb Aufgaben auf einem Extremparcours von 10 mal 30 Metern vor, ebenfalls laut Yicai Global. Wie viele Roboter haben ihre Aufgabe tatsächlich erfüllt? Wie viele sind gescheitert? Zu diesem Punkt herrscht vollkommenes Schweigen.

Ein Kompetenzwettbewerb, der keine einzige bezifferte Kompetenz veröffentlicht, bleibt per Definition eine leere Hülle. Man sieht die Form der Bewertung, nie ihre Funktion.

Wenn der Veranstalter das kritische Material stellt

Zweite Leerstelle, unauffälliger, aber entscheidend. Laut dem NCSTI stellten die Organisatoren den Teams vor Ort geschickte Roboterarme, fortschrittliche Sensoren und Hochpräzisionsgetriebe zur Verfügung. Nun ist aber in einem Wettbewerb zwischen Herstellern das von jedem mitgebrachte Material Teil dessen, was bewertet wird.

Wird die kritische Hardware gemeinsam genutzt, verblasst das, was jedes Team selbst einbringt. Die Frage lautet dann: Was wird eigentlich getestet? Die Software und die KI der Teams – oder ein gemeinsames Material, das genau jene Unterschiede einebnet, die zwischen den Kandidaten entscheiden sollen? Mangels veröffentlichter Bewertungsskala lässt sich das nicht klären.

Das eigentliche Register der Veranstaltung: die Bühne

Wo die Veranstaltung reich an Details ist, das ist ihre Show-Dimension. Bei der Eröffnungszeremonie am 13. Dezember 2025 führte der humanoide Roboter G1 von Unitree, gekleidet in ein weißes Tai-Chi-Gewand, an der Seite menschlicher Kampfkünstler Tai-Chi-Bewegungen aus, berichtet Yicai Global. Der Roboter Yuanzheng A2 von AgiBot wiederum spielte Schlagzeug, um eine Tanzgruppe aus Lingxi-X2-Einheiten anzuführen, so DigiTimes. Dasselbe Medium hält fest, dass AgiBot (Zhiyuan) und Unitree erstmals gemeinsam auf der Bühne standen – ihr erster gemeinsamer Humanoiden-Auftritt.

Diese Choreografie geht mit strukturbildenden Ankündigungen einher: Der Baubeginn der Zhangjiang AI Innovation Town wurde beim GDPS 2025 verkündet, parallel zu diesem gemeinsamen Auftritt, wie Futu mitteilt. Im Hintergrund strebt Shanghai an, den Kern seiner Industrie für verkörperte KI bis 2027 auf über 50 Milliarden Yuan zu bringen, so Yicai Global. Man kann also durchaus sagen, dass ein erheblicher Teil der Veranstaltung zur Marketing-Performance gehört und nicht zur benoteten Prüfung.

Die Demo als Beweis: ein Branchenmuster

Das Unbehagen wird konkreter, wenn man dieses Format mit den Werkzeugen abgleicht, die die Branche selbst herausstellt. Die Entwicklerplattform von Unitree soll es ermöglichen, humanoide Roboter aus der Ferne per Smartphone zu steuern, wobei die Handykamera die Bewegungen leitet, und soll vorgeladene Bewegungsroutinen anbieten, darunter Kampfkünste, einen The Twist-Tanz und Ballettsequenzen, berichtet Interesting Engineering.

Mit anderen Worten: Die beeindruckende Bewegung, die man auf der Bühne sieht, kann technisch ferngesteuert oder vorab aufgezeichnet sein. Nichts deutet darauf hin, dass dies bei den Vorführungen des GDPS der Fall war – aber genau das lässt sich wegen des fehlenden Protokolls und der fehlenden Punktzahlen nicht ausschließen.

Die Position des Normsetzers besetzen

Worum es beim GDPS wirklich geht, ist vermutlich nicht die Frage, wer am besten Wäsche falten kann. Es geht darum, eine Position zu besetzen: die des Normsetzers. Über das Prestige von WorldSkills einen Bewertungsstandard für verkörperte KI beglaubigen zu lassen, dessen Zahlen bislang niemand zu sehen bekommt. Man zertifiziert eine Choreografie und etabliert sich als der Akteur, der künftig die Spielregeln festlegt. Dafür ist die Form des Wettbewerbs da. Die Funktion hingegen wartet noch immer auf ihre Ergebnisse.